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Bitcoin Vietnam: Auf ein Wort mit Dominik Weil / Teil 2

bitcoin vietnamDominik Weil ist Mitgründer von Bitcoin Vietnam und aktiv in der Frankfurter Bitcoin – Szene. In einem Interview gibt er Einblicke in das Leben im Vietnam und die dortige Bitcoin – Akzeptanz.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Dominik Weil über die Zukunft des Vietnams im Vergleich zu der westlichen Welt. Teil eins finden Sie hier: Teil 1

Bitcoin Vietnam: Der wirtschaftliche Schwerpunkt des 21. Jahrhunderts wird Asien sein

Dominik Weil, der momentan in Saigon wohnt, hat an der Johann Wolfgang Goethe – Universität in Frankfurt am Main studiert und baute als Mitgründer die Frankfurter Bitcoin-Szene auf. Im Dezember 2013 war er Gründungsmitglied von Bitcoin Vietnam, der ersten Bitcoin -Tauschbörse im Vietnam.

1. Wie sieht die Zukunft aus im Vietnam? (Experten erwarten ein Wachstum von bis zu 250% bis 2020.)

Vietnam ist eine stark expandierende Ökonomie – es gibt auch Prognosen der WTO, dass Vietnam im Jahre 2050 eine der führenden 20 Wirtschaftsnationen der Erde sein wird. Auch wenn das Land vergleichsweise immer noch relativ arm ist, so sieht man den Fortschritt hier tagtäglich – den Menschen geht es im Schnitt von Jahr zu Jahr besser, man hat ein stetiges Anwachsen einer vergleichsweise wohlhabenden Mittelschicht… – was wenig verwunderlich ist, wenn man sich vor Augen führt, dass das Wirtschaftssystem in Vietnam im Kern Hardcorekapitalismus ist. Eine kürzliche Umfrage hat ergeben, dass Vietnam global das Land ist, dass in der Bevölkerung die höchsten Befürwortungsraten für ein System der freien Marktwirtschaft aufweist (97% Befürworter… – das zweite Land in der Rangliste kam relativ abgeschlagen mit 80%); du hast hier einen unglaublichen starken Entrepreneursgeist in der gesamten Gesellschaft; jeder schaut nach Möglichkeiten Geld zu verdienen – und macht jemand in einer Straße einen erfolgreichen Shop auf, hast du innerhalb weniger Wochen wahrscheinlich 3-4 Nachahmer in der unmittelbaren Umgebung, die mit dir im Wettbewerb konkurrieren.
Die Menschen hier erwarten sich nichts Positives von der Regierung oder dass diese gar verantwortlich sei Ihnen ein „gutes Leben zu bescheren“ – solchen Hirngespinsten gibt man sich hier – glücklicherweise – gar nicht erst hin. Die Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand – und bemühen sich aus eigener Kraft heraus für sich und ihre Familie ein gutes Leben aufzubauen. Auch strebt hier ein sehr großer Teil der Menschen danach „ihr eigener Boss“ zu sein – ca. 2/3 der Bevölkerung in Vietnam ist unternehmerisch tätig!
Und auch wenn man das nun eventuell zu entkräften versucht in dem man darauf hinweist, dass da ja auch viele einfache Garküchen am Straßenrand mitgezählt werden etc. – also rein der Umstände der derzeit noch rückständigen wirtschaftlichen Entwicklung geschuldet sei – du hast diesen Spirit auch in den lokalen Universitäten; viele der Studenten wollen später ihren eigenes Business hochziehen; ihr eigener Chef sein – anstatt ihre Arbeitskraft jemand anderem zur Verfügung zu stellen um diesen reich zu machen.
Davon ab spielt es für die Geisteshaltung der Menschen auch keinerlei Rolle, ob diese nach ihrem Studium ihre eigene Werbeagentur, Beratungsfirma oder Online-Startup hochziehen – oder ob diese eben am Straßenrand ihren Mitmenschen ein bekömmliches Mahl zubereiten: In beiden Fällen hängt ihr Wollen und Werden davon ab, dass Sie ihren Mitmenschen etwas offerieren, was diese wertzuschätzen wissen – und dementsprechend bereits sind zu entlohnen. Das ist, wie eine Wirtschaft funktioniert und wächst – den Menschen Güter und Services zur Verfügung zu stellen, welche eine aktuell existierende Nachfrage zu befriedigen wissen. Produziert man am Bedarf der Menschen vorbei, wird man kein / weniger Geld verdienen – und seine produktiven Bestrebungen danach ausrichten, den Wünschen der Kunden künftig besser gerecht zu werden.

In Deutschland hingegen… – da gab es neulich eine Umfrage, dass ein großer Teil der Studentenschaft nach dem Studium eine Karriere im Staatswesen anstrebt – „sicheres Einkommen, sicherer Arbeitsplatz, sichere Altersvorsorge“… – sprich: Sich ein gutes Leben auf Kosten ihrer arbeitenden Mitmenschen zu machen, die zwangsweise dazu gezwungen sind, solcherlei sogenannte „Arbeitsplätze“ zu subventionieren. Derartig weitverbreitetes Schmarotzertum kann natürlich auf Dauer nicht funktionieren – weil die Leute, die produktiv tätig sind irgendwann keine Lust mehr haben einen immer größeren Anteil ihres erarbeiteten Einkommens einer sich ausweitenden parasitären Klasse abgeben zu müssen.
Und fast schlimmer noch: Den meisten Menschen, die derartige „Karrieren“ anstreben sind sich nicht einmal bewusst, dass sie parasitär auf Kosten ihrer Mitmenschen leben – sie verstehen diese Zusammenhänge nicht einmal. Ein Verdienst unserers staatlichen gelenkten Bildungssystems, dass es den Menschen ermöglicht im Schnitt ein bis zwei Jahrzehnte in staatlichen Bildungseinrichtungen zu verbringen, ohne auch nur die banalsten ökonomischen Zusammenhänge verstanden zu haben.
Die Menschen in Deutschland vertreten zum überwiegenden Anteil die Ansicht, dass „Vater Staat“ „ihnen etwas schuldet“ – und jeder rennt dorthin um mehr für sich selbst haben zu können. Der Staat sollte dies tun, der Staat sollte das tun… – und außerdem soll er mir später eine ausreichende Rente bezahlen. In Vietnam ist jeder Mensch froh, wenn der Staat sich nicht einmischt… – und auf die wahnwitzige Idee zu verfallen, seinen generellen Lebensstandard und seine Altersversorgung dem Staat anzuvertrauen käme hier schon gar niemand – für Ideen, die in Deutschland weitestgehend Mainstream sind, würde man hier die Leute wahrscheinlich – richtigerweise in Richtung Klappsmühle verweisen. Auch hier vertraut man im Wesentlichen der Familie und der eigenen Schaffenskraft – dass die Kinder später für einen finanziell sorgen bzw. dass man sich selbst genug erarbeitet hat für eine gute Lebensqualität im Alter.
Generell weiß mir die hiesige „mind your own business“-Attitüde weitaus besser zu gefallen, als dieser in Deutschland vorherrschende missionarische Zwang über anderer Menschen Lebensführung bestimmen zu wollen… – jeder ist Herr seiner eigenen Entscheidungen – und muss auch die Konsequenzen seiner Entscheidungen ausbaden. In Deutschland hingegen – alles was man persönlich mag / nicht mag, will man zwangsweise auch anderen Menschen aufdiktieren – wie man zu leben, wie man zu konsumieren und wie man sich allgemein zu verhalten hat. Es steht dem ja nichts entgegen, seine Ansichten generell zu vertreten und zu bewerben… – aber in Deutschland klinkt man sich dann gerne an den Staat an und versucht seine Ansichten im Gesetz zu verankern = mittels Gewalt bei seinen Mitmenschen durchzusetzen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Die in Deutschland – und vielen westlichen Nationen allgemein – vorherrschende Geisteshaltung wird für einen fortwährenden Verfall der dortigen Wirtschaftsräume und Gesellschaftssysteme sorgen… – die übliche Degeneration die bislang noch jede Gesellschaft, welche von sozialistisch-totalitären Tendenzen befallen ist, in die Knie gezwungen hat. Die „Rettung“ ist natürlich stets nahe…  ein radikales Umschwenken auf eine freie Marktwirtschaft sowie ein Zusammenschrumpfen staatlicher Versorgungsposten und Produktivitätsverhinderungsmaßnahmen (aka „Regulierung“) könnte auch in Deutschland / den westlichen Nationen allgemein ein neues „Wirtschaftswunder“ (also das, was passiert, wenn man die Leute einfach mal arbeiten lässt ohne sie fortwährend zu bestehlen und anderweitig zu drangsalieren) auslösen. Angesichts der vorherrschenden Geisteshaltung in der Bevölkerung, die auf jedes von der Politik kreiierte Problem mit der Forderung nach noch mehr Staatsintervention reagiert allerdings ein höchst unwahrscheinliches Szenario… – man haut sich mit dem Hammer auf den Fuß; wundert sich das es wehtut… – und schlußfolgert, dass man NOCH FESTER draufhauen muss, damit das Wunschergebnis eintritt. Albert Einstein hat das mal schön zusammengefasst: „Insanity: doing the same thing over and over again and expecting different results.“

Ich habe es bereits andernorts betont: Der wirtschaftliche Schwerpunkt des 21. Jahrhunderts wird Asien sein; die Arbeitsmoral und die generelle Mentalität werden die bisher führenden Wirtschaftsräume um Längen ausstechen. Das ist ein Prozess, den wir bereits seit etlichen Jahren verfolgen können – und eine Trendumkehr ist dort bis auf Weiteres nicht in Sicht.

2. Auch in Frankfurt bist du in der dortigen Bitcoin – Szene engagiert. Wie weit sind die Frankfurter im landesweiten Vergleich?

Im vergangenen August habe ich eine mehrwöchige „Deutschlandtour“ vorgenommen, um mir mal wieder einen Überblick zu verschaffen, wie denn die heimische Szene derzeit aufgestellt ist. Berlin ist dabei mit Abstand weiterhin die Nummer eins in Deutschland – und spielt sicherlich zwei Level über den übrigen Standorten. Köln und München haben auch relativ Beachtliches auf die Beine gestellt, die Professionalität der dortigen Community ist sicherlich über dem Landesschnitt.
Frankfurt als „Hauptstadt der Finanzen“ ist derzeit also eher nicht „auf dem Treppchen“ zu sehen – wenn auch wohl im direkten Verfolgerfeld der Spitzengruppe. Die Frankfurter Community war durchaus auf einem aufstrebenden Weg über das vergangene Jahr, aber dadurch dass das „Gründerteam“ derzeit jeweils mehr oder weniger tief in anderen Projekten vertieft ist, fehlt dort ein wenig der Personenkreis der die Community wirklich aggressiv voranzutreiben zu versucht.

Allgemein muss man aber leider sagen, dass die deutsche Community massiv an Boden im internationalen Vergleich verloren hat – war man in 2012 noch eine der führenden Nationen in Europa, fällt man dort – dank massiver Überregulierung die es nahezu unmöglich macht irgendein Bitcoinstartup in Deutschland zu betreiben – derzeit fortwährend zurück… – und die Leute, die etwas tun wollen und ihre Ideen exekutieren, gehen eben nach UK, in die Niederlande… – oder eben nach Vietnam. ;)

 

Vielen Dank für das Interview an Dominik Weil! 

Titelbild: Pixabay – tpsdave Public Domain CC0

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