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Interview mit Peter Šurda: Der Bitcoin in Österreich und die BitLicense

Peter SurdaPeter Šurda, der auf vielen Konferenzen dieser Welt Vorträge gehalten hat, schrieb seine Masterarbeit über die Ökonomie des Bitcoin an der Universität in Wien. Bevor er den Bitcoin entdeckte und einen eigenen Blog erstellte, war Herr Šurda Software – Entwickler in der Online-Zahlungsindustrie.

BTC Germany sprach mit Peter Šurda über den Bitcoin in Österreich und die BitLicense.

1. Herr Šurda, wie sind Sie auf die digitalen Währungen gestoßen? Sind Sie ein „early adopter“ oder eher der Typ „Späteinsteiger“, der fasziniert ist von dem Potential?

Ich habe Bitcoin im April 2010 entdeckt, habe es aber gar nicht verstanden. Die Thematik war mir nahe, da ich in der Zahlungsverkehrbranche gearbeitet hatte. Erst mit der Zeit, ca. ein Jahr später, habe ich jedoch bemerkt, dass die wirtschaftlichen Aspekte der Kryptowährungen kaum jemand versteht, und mich entschlossen selbst zu forschen und es in der Diplomarbeit zu
widergeben. Es hat mich immer mehr und mehr interessiert, bis ich mir letztes Jahr gesagt habe, dass ich es hauptberuflich machen möchte, und seitdem mache ich es auch so. 

2. Sie leben in Wien. Wie verbreitet ist der Bitcoin in Österreich? In Graz gibt es ja einen Bitcoin- ATM. Ist in Wien auch ein ATM geplant?

In Wien gibt es seit Sommer auch ein Bitcoin-ATM, und auch einige Firmen, wo man mit Bitcoin zahlen kann. Die Webseite Lieferservice funktioniert in Österreich genauso wie in Deutschland mit Bitcoins. Allgemein ist die Wahrnehmung jedoch eher zurückhaltend, obwohl es sich verbreitet. 

Haben auch die Österreicher das Problem, dass nur äußerst zurückhaltend über die digitalen Währungen berichtet wird?

Ja, es wird eher selten berichtet und meist ist es kurz und neutral, und eher in spezialisierten Publikationen. Letztes Monat ist zB ein Artikel über die rechtliche Lage herausgekommen, und im Sommer haben sich zwei Bundesministerien aufgrund einer parlamentarischen Anfrage zum Thema geäußert. 

Wie sieht es mit regelmäßigen Meetups etc. aus?

Seit 3 Jahren gibt es monatliche Meetups in Wien, und seit ca. 1.5 Jahren auch in Graz. Es gibt ein gemeinnütziges Verein Bitcoin-Austria, und es ist geplant ein weiteres Verein zu gründen, der noch mehr Öffentlichkeitsarbeit macht. 

Die Entwickler des GoldBackedCoins kommen aus Wien. Gibt es weitere Entwickler aus Österreich?

Die GoldBackedCoins kenne ich nicht, die Firma Megion GmbH, die die Mycelium Wallet, Mycelium Entropy und die Bitcoincard entwickelt, hat jedoch ihren Hauptsitz in Wien. 

3. Hat sich die Regierung Österreichs schon mit dem Bitcoin beschäftigt? Erwarten Sie eine Regulierung?

Die österreichische Finanzmarktaufsicht hat sich mehrfach zum Thema geäußert, der Handel mit Bitcoin ist in österreich nicht reguliert (und bedarf so keiner besonderen Zulassungspflicht), ich erwarte jedoch in der Zukunft eine EU-weite Regulierung von Kryptowährungen. Zwei Ministerien habe sich auch zu Bitcoin geäußert, und haben die steuerliche Lage geklärt. Es gibt hier Hindernisse bezüglich der Umsatzsteuer auf Verkauf von Bitcoins. 

4. Auf Ihrer Webseite economicsofbitcoin.com haben Sie die BitLicense ausführlich kommentiert. Was war das größte Problem der alten Fassung? Viele Bitcoiner befürchten, dass die BitLicense Entwicklungen hemmen könnte.

Ich sehe zwei Hauptprobleme. Das erste ist, dass in dem Text die Verhältnisse zwischen den Zielen nicht klar ausgedrückt sind, und das Erreichen dieser Ziele oft im Widerspruch zueinenader steht. Historisch gesehen haben sich die US-staatlichen Regulatoren auf den Konsumentenschutz fokussiert, die föderalen auf Prävention der Geldwäsche. Die BitLicense scheint sich eher der Geldwäscheprävention zu widmen, und das kann zur Reduktion des Konsumentenschutzes führen. Die Notwendigkeit, Identitätsdaten zu sammeln, öffnet die Teilnehmer dem Risiko des Identitätsdiebstahls, zum Beispiel. Die Beschränkungen, welchen die lizenzierten Firmen unterliegen würden, können auch negative Auswirkungen auf die Sicherheit der Einlagen, Cash Flow des Dienstleistungsanbieters oder das Portfolio der angebotenen Dienstleistungen haben. Einige Geschäftsmodelle (zB Handel mit Derivaten oder Margin Trading) wären mit der BitLicense meiner Meinung nach gar nicht möglich. 

Das zweite Problem ist, das die BitLicense auch Firmen betreffen würde, die an sich gar nichts mit der Branche zu tun haben, und diese es nicht vermeiden können. Die privaten Schlüssel, welche die eigentliche Verfügung über die Salden ermöglichen, sind keine speziell gespiecherte Daten, so wie wir das aus dem traditionellem digitalem Zahlungsverkehr kennen, sondern können auf grundsätzlich beliebigem Datenträger gespechert, und über beliebiges Netz übetragen werden. Jede Firma, die Datenspeicherung oder -übertragung allgemein im Auftrag ihrer Kunden anbietet, wäre von der BitLicense getroffen. Es ist jedoch noch schlimmer, denn die Bitcoin-Speichermedien beinhalten auch solche Objekte, welche üblicherweise nicht als Datenträger verwendet werden,
sondern einfach ein kurzes Text tragen können, zB Cold Wallets aus Papier, Plastik, Holz oder was auch immer. Somit wären grundsätzlich alle Firmen, die physische Objekte im Auftrag ihrer Kunden lagern oder befördern, auch von der BitLicense betroffen. 

Im Allgemeinen fehlt in der BitLicense eine Anerkennung der Zusammenhänge. Wenn ich zum Beispiel eine Casascius-Münze im Schliessfach lagere, müsste laut der BitLicense dadurch der Schliessfachanbieter einen IT-Sicherheitsbeauftragten anstellen und jährliche online-Einbruchstests machen lassen. Das ergibt überhaupt keinen Sinn.

Was erwarten Sie von der Neuauflage der BitLicense, die Anfang Dezember veröffentlicht werden soll.

Ehrlich gesagt ich habe keine Ahnung. Einige Definitionen haben gefehlt oder waren unklar, diese werden vermutlich klargestellt. Ich persönlich glaube aufgrund der oben beschriebenen Probleme, dass der Entwurf ganz weggeworfen werden soll, denn es eh nicht durchsetzbar ist. 

5. Wie sehen Sie persönlich die Zukunft des Bitcoin? Eher als Zahlungsmittel oder überwiegen die Vorteile der Technik?

Eine sehr gute Frage. Ich glaube beide Aspekte haben ihren eigenen Nutzen, weiss jedoch nicht, in welchem Verhältnis sie sich entwickeln werden.

 

Bildquelle: Hayek.sk

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